Aus meiner Sicht: Warum die Versanddienste gewinnen werden…

Immer häufiger passiert es mir, das ich verschiedene Artikel nicht mehr beim Laden um die Ecke bekommen. Unhahängig davon, ob es ein Technik-, Lebensmittelmarkt oder Haushaltswaren sind. Warum ist das so? Sicherlich ist das Warenangebot in den letzten Jahrzehnten steil angestiegen. Hier kann ich verstehen, dass ein Unternehemen nicht alles vor Ort haben kann. Sondern der Laden muss sich entscheiden, ob er ein tiefes oder breites Sortiment anbietet oder Kuddelmuddel, wie die meisten.

Doch was ich in letzter Zeit so beim einkaufen erlebe, haut mich um.
Immer mehr Lebensmittelmärkte stellen auf eine eigene Marke um und verdrängen damit die anderen Markenware. Nunja, “andere Markenware” wäre übertrieben. Die Qualität der Hausmarke ist schon genzwertig. Eigentlich oft ganz das Gegenteil, von dem, was die Werbung uns weis machen will. Denn wenn wir bei einem Markenartikel noch wissen, das die Qualität stimmt und von welchem Hersteller dieser ist. Kann es bei einem Hausartikel schon anders sein. Mal von diesem Hersteller, mal von dem anderen, je nach dem, wer günstiger (billiger) ist. Der Kunde erkennt dies nicht. Er sieht nur das Logo der Hausmarke.

Wie sagt unser Christian so schön neulich am Stammtisch:
“Wollen Sie’s günstig, billig oder lumpig?“

Steht der Kunde noch im Vordergrund? Nein schon lange nicht mehr. Hier geht es um Gewinnmaximierung, Marktanteile und die Zufriedenstellung der Aktionäre.

Beispiel gefällig?
Wollte ich in einer Filialie einen Artikel kaufen, welcher nicht im Regal war. Ich bat den Filialleiter darum, diesen zu bestellen. Er schaute im Computer nach und sagte, das dieser nicht gelistet sei. Ich fragte, dann bestellen Sie ihn doch über den Großhändler. Dieser sagte mir nur, das er dies nicht könne. Warum, hackte ich nach. Er erwiderte, das er alles von der Zentrale vorgesetzt bekommt und nichts ändern kann. Darauf sagte ich, das Amazon deswegen gewinnen wird. Es wird nicht mehr auf die Wünsche der Kunden eingegangen. Sondern die Kunden sollen gefälligst auf die Wünsche des Konzerns eingehen. Verkehrte Welt.

Randnotiz: Ich habe immer mehr das Gefühl, dass die Marktleiter immer mehr zu Dienstplänenschreiber und Überwacher der Mitarbeiter verkommen sind. Doch war ihre Aufgabe mal das Sortiment zu überwachen, anzupassen und auf die Wünsche der Kunden einzugehen (wenn möglich), usw..

Diese Beispiel habe ich auch bei anderen Lebensmittelmärkte erlebt. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Artikel über den Versandhandel zu ordern.

Jedenfalls sagte mir mal ein anderer Filialleiter, ich könne doch eine Anfrage an die Konzernzentrale stellen. Ja, gut gelacht. Mal gemacht und nur eine automatische Antwort mit hochtrabenden Floskeln erhalten. Ein Schelm, welcher denkt, dass die Mitarbeiter dort Zeit für Kunden haben. Diese sind lästig, nerven nur und bringen keinen Gewinn. Abgedrehte Logik oder? Doch geht mal in große Firmen. Diese sind mit sich selber so beschäftigt, das der eigentliche Brötchengeber, der Kunde, nicht mehr wahrgenommen wird.

Im Elektromarkt sieht es nicht anders aus. Dort werden die Regale mittlerweile vermietet. Da entscheidet dann der Mieter, welche Ware im Regal steht und nicht mehr der Markt. Zumindest meint der Markt er hat noch was zu entscheiden. In Zukunft wird er nur noch die Verkaufsfläche zur Verfügung stellen. Um das Sortiment braucht er sich nicht mehr zu kümmern.

Beispiel gefällig?
Als ich einen neuen Elektroartikel brauchte, ging ich so einen Elektromarkt. Um festzustellen, das der Artikel, welchen ich wollte nicht da war. Mir fiel auf, das generell keine hochwertigen Artikel in der Auslage waren, sondern nur “billig und lumpig”, na gut – eher lumpig. Also fragte ich einen Verkäufer, welcher mir bestätigte, “hamma ned”. Wie sieht es mit bestellen aus? Huuuuh Kunde droht mit Auftrag. Nee, geht nicht, bestellen nicht möglich. Noch nicht mal im Computer nachgeschaut, ob er gelistet ist. Obwohl die Firma im Regal vertreten war. Da kam mein, neuerdings Standardsatz, und wieder gewinnt Amazon.

Randnotiz: Immer mehr merke ich, dass der Beruf Verkäufer oder Einzelhändler verkommt. Verkommt zu Diebstahlschutz und Kistenschubsen. Frustriert von Dienstplänen und Gehalt. Keine Lust mehr zu haben, sich mit dem Sortiment auseinander zu setzten. Grad im Elektromarkt, sollte der Abteilungsverkäufer schon wissen, was im Computer verbaut ist und ob es zu einem passt. Doch hier lesen die meisten nur noch stumpf die Schilder ab, ohne Kenntnisse zu haben.

Doch was motiviert solche Mitarbeiter? Geld! Wird die erste Aussage sein. Gut, dann machen wir auf Provision. Nee, damit schafft ihr nur eine Horde wilder Verkäufer, die sich jedem Kunden, der auf dem Weg zu Kasse ist, ranwirft, um sein Provisonsedikett auf die Ware zu kleben. Schon oft erlebt und nein, nein, es wurde beim Beratungsgespräch nicht vergessen. Es gab keines. Bei DVD’s brauche ich keine Beratung.

Also muss der Konzern her und schon werden Meetings, Motivationstrainings und weiteres abgehalten. Ah ja – da ist es wieder, der Konzern beschäftigt sich mit sich selber.

Dabei ist es meist einfach. Ein bischen mehr Gehalt, Kompetenz und Verantwortung ohne Einmischung der Zentrale. Denn der Filialleiter bedeutet eine Filiale zu leiten und nicht Überwachungsdienst. Verkäufer bedeutet fach-und sachlich zu verkaufen und nicht Kistenschubser.

Doch sind wir als Käufer nicht selber schuld?
Mit unserer Billig Mentalität? Teilweise dummes, freches und arrogantes Auftreten gegen über dem Verkäufer? Mit ausführlicher stundenlanger Beratung, um es dann letztendlich günstiger auf Amazon zu kaufen?

Beider Seiten sind an dieser Lage Mitschuld.
Fangen wir an, als Kunde, dieses Blatt zum Guten zu wenden…

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